Nepal gehört mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 835 US Dollar pro Jahr zu den 20 ärmsten Ländern der Welt.
Ein Drittel der Weltbevölkerung befindet sich momentan in einer Ausgangssperre, die Weltwirtschaft ist erschüttert und auch wenn reiche und arme Menschen gleichermaßen gefährdet sind sich mit dem Coronavirus anzustecken, so sind es doch die Ärmsten in den ärmsten Ländern, wie Nepal, die von den ökonomischen Auswirkungen der Pandemie schon jetzt am Härtesten betroffen sind.
Offiziell gibt es bisher fünf Corona-Patienten in Nepal. Trotzdem von Regierungsseiten kein Ausbruch des Virus´ bestätigt wurde, wächst die Angst unter der Bevölkerung. Nepal grenzt an China, neben Indien wichtigster Handelspartner des Landes. Zunächst wurden die Grenzen auf dem Landweg geschlossen, später war auch eine Einreise chinesischer Gäste über den Tribhuvan International Airport nicht mehr möglich.
Ca. 1000 bisher durchgeführte Tests sind bei Weitem nicht ausreichend, um mit Gewissheit zu sagen, dass es keine weiteren Coronafälle in Nepal gibt.
Die Folgen einer Pandemie wären für Nepal sehr schwerwiegend. Auf 30 Mio. Einwohner kommen 400 Beatmungsgeräte. Es mangelt an Testkapazitäten und an ausreichender Schutzkleidung für das Krankenhauspersonal. Das Gesundheitssystem des Landes ist schon im Normalbetrieb heillos überfordert.
Seit Mitte März beschloss die Regierung umfangreiche Maßnahmen, die eine Verbreitung des Virus´ verhindern sollen. Bis zum 15. April werden keine Visa für internationale Gäste mehr ausgestellt. Auch Nepalesen, die sich momentan in einem Land aufhalten, in dem das Virus bereits ausgebrochen ist, dürfen nicht mehr einreisen. Langstreckenflüge innerhalb Nepals sind untersagt. Seit Dienstag, den 24. März bis vorläufig 8.April, gilt im ganzen Land Ausgangssperre. Unwesentliche Dienstleistungen, wie Restaurants, Friseurläden und Kinos müssen geschlossen bleiben und Großveranstaltungen abgesagt werden. Alle Bildungseinrichtungen bleiben zunächst für unbestimmte Zeit geschlossen und Schulexamen werden ausgesetzt.
Ca. 800.000 der 4 Mio. Einwohner des Kathmandu-Tals verließen, kurz vor Eintreten der Ausgangssperre, die Hauptstadt Nepals und fuhren in ihre Heimatdörfer. Das Einhalten der Abstandsregeln bzw. die Durchführung von Quarantänemaßnahmen gestalten sich in einer solch´ dicht besiedelten Stadt wie Kathmandu sehr schwierig. Es kommen 20.200 Einwohner auf einen Km². (in Hamburg sind es 2438EW/ Km²) Viele Großfamilien leben unter einem Dach, junge Leute teilen sich Zimmer. Die Isolation, vor allem von älteren Menschen dürfte sehr schwer durchzuführen sein. Zuhause bleiben ist ebenso ein Privileg, wie das einfache Händewaschen, das bei weitem nicht allen Nepalesen zu Teil wird.
Die wirtschaftlichen Folgen für Nepal sind schon jetzt spürbar. Der Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes brach von einem auf den anderen Tag vollständig weg. Außerdem ist Nepal von Rohstoffen, Lebensmittellieferungen und Medikamenten aus Indien und China abhängig. Grenzschließungen, die auch den Warenverkehr beeinträchtigen, wirken sich auf die Versorgungslage und Lebensmittelpreise aus. Kochgas, Reis und Öl werden schon jetzt knapp. Rikschafahrer, Imbissbetreiber oder Warenauslieferer können sich keinen Tag Verdienstausfall leisten und sich gleichermaßen wenig vor Ansteckung schützen. Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken sind nicht mehr verfügbar oder mittlerweile unerschwinglich.
Lasst uns Nepal nicht vergessen!